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Aus derwesten.de: Wieder mehr Leben

Hattingen. Die frühere Landtagspräsidentin hat „das schwierige 2010“ hinter sich gelassen – jetzt konzentriert sie sich auf Integration.

 

Politiker wissen genau, was sie wann sagen (wollen). Und so beginnt Regina van Dinther das Gespräch mit diesem Satz: „Ich kann wieder lachen.“ Und das nicht nur wegen des neun Monate alten Airedale-Terriers Dijon, dem jüngsten Familienmitglied, der gerade um die Tafel neben dem Weihnachtsbaum tobt. Nein, die 53-Jährige hat, wie sie selbst sagt, „das schwierige Jahr 2010“ hinter sich gelassen.

Schlagzeilen wegen ihrer Tätigkeit im RAG-Regionalbeirat und angeblich nicht bezahlter Mitgliedsbeiträge an ihre CDU, die Abwahl der schwarz-gelben Landesregierung, der verpasste Wiedereinzug als Abgeordnete über die Landesliste und der damit verbundene Abschied aus dem Amt der Landtagspräsidentin – politisch lief es alles andere als gut. Doch die härtesten Schicksalsschläge trafen die Winz-Baakerin im Privaten: Ihre Zwillingsschwester verstarb Ende 2010 plötzlich, ihr Ehemann ist schwer erkrankt.

Neun Monate war sie nicht im Parlament. Sie hatte auf einmal Zeit, was für die Familie ganz wichtig gewesen ist. Sie hatte aber auch mal Zeit, um über alles nachzudenken. „Ich habe mir gesagt: Weg mit den schlechten Gedanken, mit allem, was war, jetzt musst du nach vorne schauen.“

Seit dem 1. März 2011 sitzt sie als Nachfolgerin für den ausgeschiedenen Andreas Krautscheid wieder im Landtag. Sie sitzt im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales, das ist einer der arbeits­intensivsten, und kümmert sich leidenschaftlich um Inte­grationsthemen. Zurzeit arbeitet Regina van Dinther zum Beispiel eng mit Minister Guntram Schneider (SPD) am Integrationsgesetz.

Ihre Zeit als Landtagspräsidentin habe ihr bei diesem Thema sicher viel geholfen, noch wichtiger sei aber die Zeit in Hattingen gewesen: „Früher gab es kein türkisches Kind in Winz-Baak, das nicht bei uns zu Gast war.“

Heute klappt das nicht mehr so, weil Regina van Dinther immer noch viel unterwegs ist. „Ich habe aber jetzt die Freiheit, dass ich nicht mehr alles muss“, sagt sie. „Und das, was ich will, mache ich mit viel Begeisterung. In der restlichen Zeit rückt die Familie mehr und mehr in den Mittelpunkt.“ Ihren Kindern habe sie einmal versprochen, dass sie im Alter für sie da sein wird.

Dennoch sieht sie sich in einem guten Alter für ihren Hauptjob. „Um Politik zu machen, braucht man Erfahrung“, sagt sie. „Das reale Leben kennen – die Jugend, das Ehrenamt, die Menschen.“ Gerade in einer Zeit, in der man mehr erklären müsse. „Erklären, erklären, erklären“, unterstreicht sie. „Und ich denke, dass ich eine Sprache habe, die viele verstehen.“ Über die Weihnachtstage habe sie wieder „die Bude voller junger Menschen“ gehabt. „Azubis, Studenten, da sehe ich die Realität. Und da sehe ich, dass mancher Fehler im System steckt – ich arbeite daran, diese zu beseitigen.“

Autor: Michael Brandhoff

Foto: Svenja Hanusch / WAZ FotoPool

Quelle: derwesten.de

© Regina van Dinther 2017