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Zelter- und Pro-Musica-Plaketten im Neusser Zeughaus

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke ist der Meinung, dass man auch Würdigungen für Chöre und Musikvereine einführen sollte, die gleich 200 Jahre alt werden, so wichtig ist ihm das kontinuierliche Arbeit im Kulturleben für die Gesellschaft. Mit amüsiertem Beifall bedachte das Publikum im Neusser Zeughaus seine Ausführungen. Zusammengekommen war es, um die Verleihung der Zelter- und Pro-Musica-Plaketten an Chöre und Musikvereine zu erleben, die 2015 einhundert Jahre alt werden. Auch diese Dauer fand Kulturstaatssekretär Bernd Neuendorf eine beachtliche Leistung, schließe diese historische Spanne doch immerhin das Arbeiten in einer Monarchie, in einem totalitären System und in zwei parlamentarischen Demokratien ein.

Tradition aber dürfe nicht nur als retrospektiver Wert verstanden werden, so mahnte der Staatssekretär, sondern sie verpflichte auch, mit dem Willen zum Wandel in die Zukunft zu gehen und die Gesellschaft mitzugestalten. Arnd Bolten, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Laienmusikverbände im Landesmusikrat NRW, sah die Verbände bei dieser Aufgabe im Schulterschluss mit der Landesregierung. Die Vereinbarung der Landesregierung mit der Laienmusik vom Juni 2014 sei die richtige Grundlage für das weitere Handeln.

Musikalisch umrahmten wunderbare Ensembles den Festakt. Vor dessen Beginn sang das Ensemble Patchwork aus dem Ruhrgebiet (mit New Yorker Zuströmung): Angela Meyer, Roberta Damm, Annika Gottwald und Katrin Dierkes ließen vom Galeriengang des Zeughauses muntere und zugleich geschliffen klare Songs auf die Festgäste hernieder klingen. Im Festsaal bot das 20-köpfige Männerensemble „bad boys“ aus Dortmund unter Leitung von Hans Frambach beschwingte und virtuos durchchoreographierte Chorsätze. Auch bei ihnen beeindruckte das Miteinander eines hochkarätigen vokalen Niveaus mit einer Inszenierung, die bis an den Rand des Slapsticks ging, wenn im „Drunken Sailor“ der Chorleiter im Tumult seiner Sänger zu Boden gezerrt wurde.

Das Saxophonensemble der Bläserphilharmonie Aachen, Anna Christina Kleinlosen, David Witsch, Patrick Tasso, Gereon Schulte-Beckhausen, spielte u.a. den berühmten musikalischen Dialog zwischen Astor Piazolla und Gerry Mulligan „Close your eyes and listen“, wobei sich die Gesprächsteile von ursprünglich Bandoneon und Baritonsaxophon im Quartett noch stärker verschränkten. Rund herum erfrischend eroberte der Kinderchor des Leverkusener Kinder- und Jugendchors das Zeughaus. Unter Leitung von Nicole Jers und begleitet am Klavier von Harald Jers sangen die Kinder forsch und intonationssicher Liedsätze von Klaus Wallrath, Heike Arnold-Joppich u.a. Bedächtig wechselten die Sängerinnen und Sänger zwischendurch die Aufstellung. Bemerkenswert, wie sehr die kleinen Rochaden den Raumklang veränderten.

Die von Theodor Heuss und Heinrich Lübke gestifteten Zelter- und Pro Musica-Plaketten werden jedes Jahr in einem Festakt an hundertjährige Chöre und Instrumentalensembles verliehen – der Ort wechselt und auch die Partnerorganisation, mit der zusammen der Landesmusikrat NRW die Veranstaltung ausrichtet. Diesmal war es der Chorverband NRW mit seinem Sängerkreis Neuss und die Organisatorinnen und Organisatoren der Verbände sorgten für einen kurzweiligen Festakt, der Kleinode aus dem Spektrum der Laienmusik in NRW bot.

Pro Musica-Plaketten erhielten der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde Dortmund-Aplerbeck und das Mandolinen-Orchester „Lyra“ Solingen 1913 e.V. Zelter-Plakette erhielten der Kirchenchor St. Johannes Bottrop-Boy, der Kirchenchor Cäcilia “Zur Hl. Familie” Klinkum, der Kirchen- und Projektchor an St. Lambertus Erkelenz, der Kirchenchor St. Pankratius Dingden, der Städtischer Musikverein Gelsenkirchen e.V. und die Chorgemeinschaft St. Ludgerus, Gelsenkirchen.

Nicolas Tribes führte durch das Programm und stellte dabei auch die ausgezeichneten Chöre und Musikvereine mit kurzen Einführungen vor. Die Projektleitung lag seitens des Chorverbands NRW in den Händen von Felicitas Blome, seitens des Sängerkreises Neuss bei seinem Vorsitzenden Bernd Hubert und seitens des Landesmusikrats NRW bei Eva Luise Roth. Gefördert wurde die Veranstaltung vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW.

Quelle: Landesmusikrat NRW

Bilder: Chorverband NRW

© Regina van Dinther 2017