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Aus Neue Westfälische: Mehr Hilfe für die Kommunen

 

Hochkarätige Tagung zur Flüchtlingspolitik in Paderborn

Paderborn. "Die Menschenwürde wird an vielen Stellen eingeschränkt", hat Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig mit Blick auf die Situation von Flüchtlingen und Armutsmigranten in Deutschland festgestellt. Bei einer Caritas-Fachtagung am Montag in Paderborn sagte er, jeder Mensch habe eine ihm eigene Würde.

Unter dem Titel "Menschenwürde eingeschränkt! Wie willkommen sind bei uns Flüchtlinge und Armutsmigranten?" erhielten rund 100 Teilnehmer einen ungeschminkten Einblick in die aktuelle Situation und in Maßnahmen der nordrhein-westfälischen Politik.

Thorsten Klute (SPD), Staatssekretär im NRW-Integrationsministerium, betonte, Nordrhein-Westfalen bekenne sich zu Solidarität, Integration und Migration. "Da ist kein Platz für Scharfmacher und Agitatoren." Mit Blick auf die Misshandlung von Flüchtlingen durch Sicherheitskräfte sagte er: "Da ist einiges aus dem Ruder gelaufen. Was in Burbach und an anderen Orten in NRW passiert ist, hat den Menschen und unserem Land schweren Schaden zugefügt." Doch NRW steuere gegen. So sollen bis Ende November 1.800 neue Plätze in zentralen Unterkunftseinrichtungen des Landes geschaffen werden. Auch die Pro-Kopf-Pauschale des Landes an die Kommunen steige in der Summe um 40 auf 183 Millionen Euro. Zusätzlich werde zugunsten der Kommunen ein Härtefallfonds von drei Millionen Euro für die Behandlung kranker Flüchtlinge aufgelegt.

Regina van Dinther (CDU), Mitglied des Integrationsausschusses im NRW-Landtag, betonte, für ein reiches Land wie Deutschland müsse die Hilfe für Flüchtlinge "eigentlich eine Selbstverständlichkeit" sein. Angesichts von 51 Millionen Flüchtlingen weltweit und "nur" rund 200.000 2014 in Deutschland müssten alle mitziehen und "ein offenes Herz" sowie Zivilcourage zeigen.

Die Situation von traumatisierten Flüchtlingen sprach Martin Strätling vom Caritasverband Paderborn an. Im südlichen Ostwestfalen und im östlichen Sauerland gebe es "eine kolossale Unterversorgung" mit dringend nötiger psychosozialer Beratung. Eine Situation, die womöglich bald mit der Verdoppelung der Mittel für die Flüchtlingsberatung gelöst werden könne, machte Monika Düker Hoffnung.

In einem "Praxis-Check" zum konkreten Lebensalltag von Flüchtlingen berichteten Dorothee Schulte und Gerrit Greiß von der Caritas-Konferenz (CKD) Warstein-Allagen von der schwierigen Wohnsituation gerade in ländlich gelegenen Asylbewerberunterkünften. Teilweise würden verschiedene Nationalitäten und Religionen auf engstem Raum zusammengepfercht. "Das ist menschenunwürdig", sagte Gerrit Greiß.

Der nicht angemessene Umgang mit Flüchtlingen sei auch eine Folge der gegenwärtigen kontraproduktiven Arbeitsteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen: "Das ist so als ob sich im Wilden Westen Marshalls, Sheriffs und zum Schluss auch noch die Texas Rangers um ein und dasselbe Problem kümmern." "Diese Arbeitsteilung funktioniert nicht mehr", monierte auch Monika Düker. Sie hofft auf eine Änderung beim Flüchtlingsgipfel von Bund und Ländern am 11. Dezember bei der Kanzlerin.

Zum Auftakt des Fachtages hatte das "Junge Amateur Theater" Paderborn in einer szenischen Lesung an das Flüchtlingsdrama vom 3. Oktober 2013 vor der italienischen Insel Lampedusa erinnert. Aus der Sicht von Flüchtlingen, Fischern, Lokalpolitikern und Touristen brachten sie die Tragödie, bei der 366 Menschen ertranken, auf die Bühne.

Quelle: www.nw-news.de

© Regina van Dinther 2017