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Aus der Münsterland Zeitung: Frauen sollten öfter mal "Hier" rufen

Kompetenznetzwerk Frau & Beruf Münsterland hatte ins Ahauser Schloss eingeladen

Frauen in der Wirtschaft könnten besser da stehen als bislang. Zum einen, wenn man sie ließe. Zum anderen aber auch, wenn sie hier und da selbst mehr wollten.

Wie vielfältig und mitunter schwierig das Thema Frauen und Wirtschaft ist, das erfuhren gestern die Besucher des Kompetenznetzwerks Frau & Beruf Münsterland, das in den Ahauser Fürstensaal eingeladen hatte. Das Netzwerk hat zwei Standorte im Münsterland, Ahaus und Münster. Neben Talks und Diskussionen gab es einen Vortrag von Landtagspräsidentin a.D. Regina van Dinther (CDU).

"Wir müssen auch mal 'Hier' schreien, wenn verteilt wird", forderte van Dinther dabei ihr Geschlechtsgenossinnen auf, ihre Zurückhaltung aufzugeben, wenn es gelte, Chancen für die Karriere zu nutzen. Frauen mangele es nicht an Einsatz, wohl aber oft an einer durchdachten, frühzeitigen Lebensplanung. Schlecht sehe es aus, wenn man die Situation von Gleichstellung und Teilhabe von Frauen im internationalen Vergleich sehe. So seien in Frankreich nur 26% der Mütter teilzeitbeschäftigt, in Deutschland aber 62% - mit entsprechenden Unterschieden bei der späteren Rente.

Dass die Frauenerwerbsquote im Münsterland gar nicht so schlecht sei, betonte bei der anschließenden Talkrunde Dr. Jürgen Grüner von der Wirtschaftsförderung des Kreises Coesfeld. Er monierte - wie auch Christoph Bruns, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Borken - das 75% der Mädchen sich auf 25% der Berufe stüzten. "Es gibt immer noch ein relativ starres Bild bei der Berufswahl", so Grüner. Bruns beklagte, dass manches Mädchen, das eine Ausbildung im Handwerk machen wolle, vom Elternhaus umgestimmt werde.

Was eine Firma alles tun kann, um Familien generell und Frauen im speziellen Arbeit und Karriere zu erleichtern, erklärte Rainer J. Laudert, Chef des gleichnamigen Medienunternehmens aus Vreden. Dort hat man, so Laudert "25 verschiedene Teilzeitarbeitsmodelle", Paten, die Kontakt halten zu Frauen, die wegen Kindererziehung eine Auszeit nehmen. Auch plant man - gemeinsam mit anderen Firmen - für einen Betriebskindergarten.

Unterm Strich, so Sonja Schaten vom Kompetenzzentrum, sei die Wirtschaft im Münsterland gut aufgestellt, was auch den Frauen zugute komme. Gleichwohl seien Dinge wie die hoheMinijobquote verbesserungswürdig. "Es ist nicht alles so toll, wie es von außen aussieht."

Münsterland Zeitung, 15. November 2013

© Regina van Dinther 2017