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Rede zum Antrag der Fraktion der PIRATEN: Jedes Krankenhausmuss Vergewaltigungsopfer medizinisch versorgen.Religiöse Grundsätze dürfen dabei keine Rolle spielen!

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen !

Wir beraten heute ein bedrückendes Thema. Die Frage steht im Raum, ob in unserem Land, vergewaltigten Frauen, alle Hilfe gegeben wird, die sie in ihrer verzweifelten Situation benötigen.

Meine Damen und Herren, in diesem Haus kann es dazu nur Klartext geben: Vergewaltigung ist ein schweres Verbrechen. Und Vergewaltigungsopfer müssen sicher sein können, dass ihnen sofort alle medizinische, psychologische und wenn gewollt seelsorgliche Hilfe zur Verfügung steht.

 

Die Fürsorge garantierende und die Entscheidungsfreiheit respektierende Begleitung des Opfers sind aus unserer Sicht wichtige Faktoren nach einem solch traumatischen Vorfall.

Die Krankenhäuser in unserem Land leisten diese Hilfe. Auch in den Häusern in der Trägerschaft der Cellitinnen in Köln sind solche Grundsätze vom klinischen Ethikkomitee formuliert, als Handreichung für die behandelnden Ärzten. Leider ist scheinbar dieses Papier, Anfang November 2012 formuliert, im Falle des Opfers im Dezember 2012 nicht angewendet worden.

Beide Kliniken, der Träger und Erzbischof Kardinal Meisner haben sich öffentlich für diesen Vorfall entschuldigt.

In beiden Häusern ist die Aufnahme und Versorgung von Vergewaltigungsopfern eigentlich gewährleistet. Auch die anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftaten (ASS) wird dort vorgenommen. Auch wenn es diesen Vorgang nicht ungeschehen macht, so ist es doch gut, dass diese Entschuldigungen vorliegen und wir somit nun sowohl die Aufklärung dieses Fehlers, als auch Maßnahmen erwarten können, die sicherstellen, dass so etwas nie wieder passiert.

Meine Damen und Herren, ich habe hier seit 1990 schon häufig gestanden, wenn wir in der Politik Gesetze gemacht haben, in denen die Gewissensentscheidung schwer zu treffen war.

Immer wenn Leben gegen Leben steht, ob bei der Sterbehilfe oder dem Schutz des ungeborenen Lebens, gibt es nicht die eine klare Warheit.

Ärzte und Betroffene erwarten zurecht von der Politik, dass wir eindeutig formulieren und sie nicht am Ende der Kette dann den schwarzen Peter der schweren Entscheidung haben.

Wir haben daher vor Jahren den § 218 parteiübergreifend so geregelt, dass die Verantwortung und das Selbstbestimmungsrecht der Frau in den Mittelpunkt gestellt wurde und der Staat Beratung und Hilfe garantiert.

Wir wussten und wissen, dass damit christliche und kirchliche Grundsätze im Widerspruch stehen können. Kirche muss immer der Anwalt der Schwachen sein, derer, die sich selbst nicht wehren können. Kirche muss der Anwalt der Kranken, der Sterbenden und der Ungeborenen sein. Daher wird die sogenannte „Pille danach“ in katholischen Häusern auch nicht ausgegeben , sehr wohl aber beratend auf diese Möglichkeit hingewiesen.

Kirche ist gleichzeitig Träger vieler Einrichtungen die in liebevoller Fürsorge, Menschen in solchen Notlagen aufnehmen, helfen, begleiten und unterstützen. In Beratungseinrichtungen , beim Sozialdienst katholischer Frauen, in Häusern für gewaltbetroffener Frauen oder alleinerziehender Mütter, in Krankehäusern und Pflegeheimen wird Stunde um Stunde, Jahr für Jahr, Nächstenliebe und Zuwendung zum Menschen praktiziert. Diese Arbeit wollen viele von denen, die jetzt so laut unterwegs sind, gar nicht leisten.

Meine Damen und Herren, daher sage ich heute: Wir müssen unmissverständlich an der Seite der Opfer stehen.

Aber wir dürfen wegen eines Fehlers, jetzt nicht so diskutieren, wie das an einigen Stellen passiert.

Kirche unter Generalverdacht zu stellen heißt, die Menschen die tagtäglich aufopfernd auf der Seite der Schwachen arbeiten, mit Vorwürfen zu überziehen, die zwar Vorurteile bedienen aber nicht der Realität entsprechen.

Sollte Denuntiantentum ein Grund für diese fehlerhafte Entscheidung der Ärztinnen sein, und dazu gibt es ja auch erschreckende Berichte,ist auch dieses zu untersuchen und deutlich zu benennen.

Ich appelliere an die Handelnden, mit Vernunft und Abgewogenheit zu agieren mit dem Ziel den Opfern nicht noch mehr Schaden zuzufügen.

© Regina van Dinther 2017