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Aus derwesten.de: Herzschmerz und Glaubwürdigkeit

Hattingen. Regina van Dinther (CDU) spricht über ihre politischen Ziele im Landtag.

„Es sind Herzschmerz-Themen, die ich bearbeite“, sagt Regina van Dinther beim Blick auf ihr aktu­elles politisches Wirken. „Themen, bei denen ich eine Sensibilität entwickelt habe, die andere noch nicht haben.“ Bildung meint sie, auch kulturelle, vor allem aber ­Integration, gerade die von Kindern mit Migrationshintergrund. Zentrales Schlagwort für die 53 Jahre alte Winz-Baakerin im Landtags-Wahlkampf ist aber – wie für alle Christdemokraten – der Schuldenstand in NRW.

„In einer Zeit, in der sich die Staaten in Europa zusammenraufen – selbst Italien hat ja unterschrieben – ist es total irre, dass ein Land in Deutschland sagt: Nein, das machen wir nicht mit.“ Jede Sekunde steige der Schuldenberg in Nordrhein-Westfalen um 125 Euro – „und das bezahlen nicht wir und nicht unsere Kinder, sondern unsere Enkelkinder“.

Und denen will sie eine gute Ausbildung ermöglichen. „Wir wollten nicht über Systeme diskutieren, sondern über die Kinder“, sagt Regina van Dinther mit Blick auf den Schulfrieden, den die CDU gemeinsam mit der rot-grünen Regierung geschlossen hat. „Wir haben uns darauf eingelassen, ganz bewusst, obwohl uns jetzt das ­Wahlkampfthema Schule fehlt.“ Auch an Studiengebühren will sie nicht mehr packen („Wir sind ja keine Selbstmörder"), obwohl den Universitäten dadurch Geld fehle. „Stattdessen müssen wir jetzt alle Ressourcen nutzen und uns Partner suchen.“

Das Auftreten der Hochschulen, die Zusammenarbeit, die bereits im Ruhrgebiet (Bochum, Dortmund, Essen-Duisburg) vorhanden sei, sieht die Hattingerin als Vorbild für andere Bereiche. Zum Beispiel die gesamte Metropole Ruhrgebiet. „Wir haben mehr zu bieten als Düsseldorf“, sagt sie. Aber auch das: „Das größte Manko der Bildungsregion Ruhrgebiet ist, dass türkische Kinder nicht so gefördert werden, wie sie müssten.“

Einige andere Themen: Bei der Energie setzt Regina van Din­ther auf Biomasse und Windkraft, bei den Kommunalfinanzen will die CDU Schuldenerlass und Zinshilfen, kulturell brauche das Ruhrgebiet „ein neues Zehn-Jahres-Programm, um die Bürger zusammenzubekommen“.

Das will sie sowieso. Es ist ihr ein Anliegen, ein politisches Ziel. „Und diese politischen Ziele sollten das Leben spiegeln“, sagt Regina van Dinther. „Es sollte authentisch sein, glaubwürdig.“

„Mein Leben wird politisch bleiben“

Das Bild vom Auf und Ab wird in der Politik oft bemüht. Auf Regina van Dinther trifft es zu. Und es sagt viel aus über die Frau, die eine politische Kämpferin ist und weiß, dass der 13. Mai 2012 ein einschneidendes Datum in ihrem Leben markieren kann.

Auf ging es 1990, als die Diplom-Ingenieurin für Bekleidungstechnik erstmals für den Landtag kandidierte und über den Listenplatz 67 in die CDU-Fraktion einzog. Aufwärts ging es weiter, als die gebürtige Wengeranerin und Wahl-Winz-Baakerin (dort lebt die Familie seit 20 Jahren auf einem alten Bauernhof) bei folgenden Wahlen immer wieder mal als mögliche Ministerin gehandelt wurde. Als es so weit war und die CDU 2005 an die Regierung kam, hievte Jürgen Rüttgers die Hattingerin ganz nach oben – als Landtagspräsidentin.

Anfang 2010 dann die Wende. Regina van Dinther wird vorgehalten, 30 000 Euro für die Teilnahme an zwei Sitzungen des RAG-Regionalbeirates erhalten und über Jahre hinweg keine Mitgliedsbeiträge an ihre Partei gezahlt zu haben. Sie schafft den Wiedereinzug ins Parlament auf Listenplatz drei nicht, tritt als Landtagspräsidentin zurück und erhält erst neun Monate später als Nachrückerin wieder ein Abgeordnetenmandat.

Die „Raffgier-Debatte“, sie nervt van Dinther noch heute. „Es kann doch nicht sein, dass von 53 Jahren Leben nur zwei Vorwürfe bleiben“, meint die CDU-Frau mit Blick auf ihr Bild im Internet. Genau dort steuert sie jetzt gezielt gegen. Nutzt Homepage und soziale Netzwerke, um zuzuhören und sich mitzuteilen. Ist mit Ministern ebenso vernetzt wie mit einfachen Menschen. Überhaupt: Menschen. Immer noch nimmt Regina van Dinther Leute bei sich auf, engagiert sie sich für Migrationspolitik, macht mit bei RVR und Revier-CDU. Was sie noch macht: Sie arbeitet sich in innovative Wirtschaftsprojekte ein.

Es könnte abwärts gehen, bei Listenplatz 36. Regina van Dinther: „Ich werde politisch bleiben.“

Michael Brandhoff, Ulrich Laibacher

Foto: Claudia Schütte (WAZ FotoPool)

Quelle: www.derwesten.de

© Regina van Dinther 2017